Wahlbeteiligung

Braunschweig

Im Braunschweiger Bezirk Weststadt lag die Wahlbeteiligung rund 27 Prozentpunkte niedriger als in Volkmarode. In den wählerschwächsten Bezirken entstammen sechsmal so viele Haushalte den sozial schwächeren Milieus wie in den Wählerhochburgen, die Arbeitslosigkeit ist viermal höher. Nur halb so viele Menschen verfügen über die Hochschulreife.

Mit 74,2 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Braunschweig zwar leicht über dem Bundesdurchschnitt (71,5). Dennoch verbirgt sich auch in Braunschweig hinter dem gesamtstädtischen Durchschnittswert eine drastische soziale Ungleichheit bei der Wahlbeteiligung. Während in gut situierten Stadtvierteln nach wie vor überdurchschnittlich viele Menschen ihr Wahlrecht wahrnehmen, sind die sozial schwächeren Stadtviertel die Hochburgen der Nichtwähler.

  • Weststadt 58,3%
    Volkmarode 85,2%

  • Rüningen 66,6%
    Östliches Ringgebiet 81,3%

  • Braunschweig – Gesamtstadt 74,2%
    Heidberg-Melverode 72,3%

Wo die Nichtwähler wohnen ...

So kam die Beteiligung im Bezirk Weststadt nicht über niedrige 58,3 Prozent hinaus. Damit verzichteten hier prozentual mit Abstand mehr Menschen auf ihr Wahlrecht als in allen anderen 18 Stadtbezirken. Zugleich weist Braunschweig-Weststadt ein im Stadtvergleich ausgesprochen prekäres Profil auf: Mehr als zwei Drittel der Haushalte gehören wirtschaftlich schwachen Milieus an, davon allein 30 Prozent den Hedonisten. Die Zahl der Personen mit Abitur übersteigt kaum jene der Schulabgänger ohne Abschluss, während ansonsten Hauptschulabschlüsse klar überwiegen. Auf hundert Erwerbsfähige kommen knapp zehn Arbeitslose – der Braunschweiger Höchstwert. Passend hierzu die Wohnsituation: Über die Hälfte der Haushalte ist in großen Mietshäusern oder Hochhäusern angesiedelt.

Etwas weniger dramatisch, jedoch weiterhin unterdurchschnittlich, zeigt sich die Lage in Braunschweig-Rüningen. Mit 66,6 Prozent liegt der Bezirk in Sachen Wahlbeteiligung auf dem vorletzten Platz. Auch hier stellen die sozial benachteiligten Schichten die Mehrheit, wobei mit 28 Prozent der Haushalte das prekäre Milieu vor den Hedonisten dominiert. Bei den Schulabschlüssen überwiegen deutlich die Haupt- und Realschulabschlüsse, die Abiturquote liegt dagegen bei nur rund 15 Prozent. Statistisch kommen auf 100 Erwerbsfähige rund acht Arbeitslose. Zugleich liegen über drei von vier Wohnungen in Mehrparteienhäusern.

… wo die Wählerhochburgen sind …

Beim Blick auf den Bezirk Volkmarode verkehren sich sämtliche Vorzeichen. Hier erreicht die Wahlbeteiligung den städtischen Rekordwert von insgesamt 85,2 Prozent. Auch in sozioökonomischer Hinsicht ist der Kontrast zu den elektoralen Schlusslichtern enorm: Annähernd die Hälfte der Haushalte lässt sich den materiell begünstigten Milieus der Konservativ-Etablierten, Liberal-Intellektuellen und der Performer zurechnen. Hinzu kommt eine starke Bürgerliche Mitte von über 25 Prozent. Der Anteil der allgemeinen und Fachhochschulreife erreicht klar überdurchschnittliche 40 Prozent und übertrifft den Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss um fast das Fünffache. Mit einer Arbeitslosendichte von rund zwei Prozent kommt der Bezirk dem Ideal der Vollbeschäftigung sehr nahe, während die Kaufkraft pro Haushalt die hohe Marke von 45.000 Euro überschreitet. Nahezu 60 Prozent der Haushalte sind in Ein- oder maximal Zweifamilienhäusern untergebracht.

Bei immer noch 81,3 Prozent Beteiligungsquote und einem zweiten Platz im innerstädtischen Vergleich weist der Bezirk Östliches Ringgebiet ein starkes Sozialprofil auf. Über vier Fünftel der Haushalte entstammen einem breiten Spektrum der gehobenen und mittleren Schichten, wobei die Performer und Expeditiven einen avantgardistischen Mittelbau von rund 30 Prozent bilden. Stärkstes Einzelmilieu mit 17 Prozent sind wiederum die Adaptiv-Pragmatischen, während die Konservativ-Etablierten und Liberal-Intellektuellen gemeinsam ca. 20 Prozent der Haushalte auf sich vereinen. Im Bereich der Bildung sind Hochschulreife, Realschul- und Hauptschulabschluss in drei annähernd gleich großen Blöcken zu je 30 Prozent vertreten. Die Arbeitslosendichte liegt bei niedrigen vier Prozent, die Bebauung ist von Stadthäusern geprägt.

… und wo die Wahlbeteiligung im Durchschnitt liegt

Im Braunschweiger Mittelfeld und recht nah am deutschen Bundesschnitt schneidet der Bezirk Heidberg-Melverode ab, wo 72,3 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz machten. Bei den Milieus dominiert die Bürgerliche Mitte: gemeinsam mit dem zweitstärksten Milieu der Traditionellen stellt sie über die Hälfte der Haushalte.

Die Verteilung der Bildungsabschlüsse erscheint unauffällig angesichts einer leichten Dominanz von Hauptschulabschlüssen (rund 34 Prozent) bei einer dennoch soliden Quote der Hochschulreife (rund 26 Prozent).

Fazit

Die Wahlbeteiligung in Braunschweig ist – wie in allen anderen untersuchten Großstädten Deutschlands – sozial gespalten. Während in sozial besser situierten Stadtteilen überdurchschnittlich viele Menschen ihr Wahlrecht ausüben,

ziehen sich in den ökonomisch schwächeren Vierteln viele Menschen aus der demokratischen Teilhabe zurück. Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2013 ist deshalb auch in Braunschweig, gemessen an der Sozialstruktur der Bevölkerung, nicht repräsentativ.